"Brot für die Welt" zum Klimaschutz
Bundesregierung muss Verantwortung übernehmen
„Brot für die Welt“ fordert Zusagen
im Kampf gegen Klimawandel
„Brot für die Welt“ Pressemitteilung,
2.7.09
Knapp fünf Monate vor der entscheidenden UN-Weltklimakonferenz
in Kopenhagen steht Europa gegenüber den
Entwicklungsländern praktisch mit leeren Händen da.
Darauf verwies die Direktorin von „Brot für die
Welt“, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, im Rahmen
der Bilanzpressekonferenz der evangelischen Hilfsaktion. Nach ihrer
Auffassung fehlt es an der Bereitschaft, endlich Verantwortung
gegenüber den Entwicklungsländern zu übernehmen.
„Es wäre nur recht und billig, wenn das umweltpolitische
Grundprinzip ,Polluter pays´ Anwendung fände“,
sagte sie. Nur so könne die globale Erderwärmung in den
kommenden Jahrzehnten auf zwei Grad Celsius begrenzt und verhindert
werden, dass Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen
werden.
Cornelia Füllkrug-Weitzel appellierte an die Bundesregierung,
sich endlich der Verantwortung bewusst zu werden. Ansonsten
bürde man den nächsten Generationen nicht nur einen
Schuldenberg, sondern auch einen vollkommen überhitzten
Planeten auf. „Ich appelliere daher dringend an Frau
Bundeskanzlerin Merkel, sich noch vor dem G8-Gipfel in der
kommenden Woche öffentlich für das Ziel einer
40-prozentigen Emissionsminderung bis 2020 in der EU
auszusprechen“. Deutschland müsse hier eine
Vorreiter-Rolle innerhalb der Europäischen Union einnehmen,
damit die Weltklimakonferenz in Kopenhagen ein Erfolg werde. Dazu
sei es auch unerlässlich, dass Deutschland sich beim G8-Gipfel
verbindlich darauf festlege, ab 2013 zusätzlich zur zugesagten
Entwicklungshilfe einen fairen Beitrag zur Deckung der Kosten der
Klimafinanzierung in Entwicklungsländern beizutragen, die sich
auf mindestens 160 Milliarden US-Dollar jährlich belaufen
dürften.
Füllkrug-Weitzel forderte Kanzlerin Merkel weiter auf, ein
klares Wort zum künftigen Status von Klimaflüchtlingen zu
sprechen. Sie müssten einen Rechtsanspruch auf
Entschädigung und eine geordnete Umsiedlung erhalten. Bislang
höre man zum Thema Kompensation aus der deutschen
Verhandlungsdelegation nichts. Nach Auffassung von „Brot
für die Welt“ muss dies richtig gestellt werden. Denn
ein solches Abkommen ohne Kompensation verletzt zutiefst
christliche Werte, zu denen sich auch Bundeskanzlerin Merkel
bekennt.
„Brot für die Welt“ präsentierte in Berlin
auch sein Spendenergebnis für das vergangene Jahr. 2008 bekam
die Hilfsaktion der evangelischen Kirchen rund 51,4 Millionen Euro
an Spenden. Dieses Ergebnis liegt damit rund 1,4 Millionen Euro
unter dem des Vorjahrs. Das entspricht einem Rückgang an
Spendengeldern um 2,7 Prozent. Damit wurde „Brot für die
Welt“ wie andere Nichtregierungsorganisationen auch von der
weltweiten Finanzkrise erfasst. Cornelia Füllkrug-Weitzel
dankte allen Spenderinnen und Spendern von „Brot für die
Welt“: „Sie tragen mit ihrer Spende dazu bei, die
Lebenssituation für Menschen in den Ländern des
Südens zu verbessern“.
Einheitlicher "CO2-Fußabdruck" für Waren und
Dienstleistungen
Konferenz in Berlin berät über
Vorschläge
BMU Pressemitteilung, 2.7.09
Im Auftrag des Bundesumweltministeriums hat das Freiburger
Öko-Institut Vorschläge entwickelt, wie man die
Klimabilanz von Produkten und Dienstleistungen künftig
einheitlich kennzeichnen kann. Mehr als 200 Vertreter aus
Wissenschaft, Verbänden, Wirtschaft und Politik beraten heute
in Berlin auf der Konferenz "CO2-Kennzeichnung von Waren und
Dienstleistungen" über Möglichkeiten für
einheitliche "Product Carbon Footprints"
(CO2-Fußabdruck).
Vor diesem Hintergrund erarbeiten Bundesumweltministerium und
Umweltbundesamt zusammen mit dem Öko-Institut und Teilen der
privaten Wirtschaft derzeit einen Leitfaden für Unternehmen,
die die CO2-Bilanz ihrer Produkte und Dienstleistungen darstellen
möchten.
Grundsätzlich ist es jedoch sinnvoll, für Produkte und
Dienstleistungen nicht nur die CO2-Bilanz kenntlich zu machen,
sondern alle umweltrelevanten Aspekte herauszustellen - vom
Flächenverbrauch bis hin zu Wasser- und Schadstoffbelastungen.
So werden beim Umweltzeichen Blauer Engel seit langem alle
umweltrelevanten Kriterien berücksichtigt, darunter auch der
"CO2-Fußabdruck". Die Vergabe des Blauen Engels wurde zudem
auf besonders klimarelevante Produkte ausgeweitet. Rund 30
Produktgruppen werden in diesem Bereich derzeit bewertet. Bis Ende
2011 sollen 100 Warengruppen und Dienstleistungen, die besonders
das Klima schonen, einen Blauen Engel tragen können.
Jobmotor Wüstenstrom
Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 2.7.09
Durch den weltweiten Bau solarthermischer Kraftwerke können
deutsche Unternehmen von 2010 bis 2050 mit einer Wertschöpfung
von bis zu zwei Billionen Euro profitieren. Allein im Jahre 2050
würden für den Bau der Kraftwerke etwa 240.000
Arbeitskräfte benötigt. Das ergibt eine neue Studie, die
Greenpeace und der Club of Rome Deutschland am Donnerstag in Berlin
vorgestellt haben.
Deutsche Großunternehmen kündigten bereits an, die
Umsetzung des Desertec-Konzepts zu prüfen. Am 13. Juli hat die
Münchener Rück zu einem Gründungstreffen der
Initiative geladen. Greenpeace und der Club of Rome fordern die
Bundesregierung auf, die Wettbewerbschancen für Erneuerbare
Energien zu verbessern und das Thema Wüstenstrom auf die
Agenda des G8-Gipfels zu setzen.
"Erneuerbare Energien sind ökologisch wie ökonomisch von
herausragender Bedeutung. Die Pläne für Wüstenstrom
zeigen, dass die Zeit für Atomkraft und Kohle bald vorbei ist.
Solarthermische Kraftwerke können nach Windkraft und
Photovoltaik zum dritten deutschen Exportschlager im Bereich der
Öko-Energien werden", erklärt Andree Böhling,
Energieexperte von Greenpeace. "Die Klimaveränderung erzwingt
einen weltweit noch schnelleren Umstieg auf Erneuerbare
Energien."
Solarkraftwerke in Wüsten sollen den dezentralen Ausbau von
Wind und Sonne ergänzen. Eine dezentrale Energiewirtschaft
findet im Vergleich zu Großkraftwerken vor Ort statt. Die
Energie wird lokal produziert und verbraucht. Mit dem gesamten Mix
aus Erneuerbaren Energien kann weltweit der Ausstieg aus Atom- und
Kohlekraft beschleunigt werden.
Laut der neuen Studie des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt, Energie können deutsche Generalunternehmer,
verantwortlich für die Konzeption, Planung und den Bau der
solarthermischen Kraftwerke, ihre starke Marktstellung weiter
ausbauen. Das gilt ebenso für Firmen, die Receiver, Spiegel
oder Turbinen zuliefern. Die Zahl der Beschäftigten jener
deutschen Unternehmen könnte gemessen an der weltweiten
Beschäftigung einen Anteil von über 40 Prozent betragen.
Weltweit sind im Jahr 2050 bis zu 582.000 Arbeitsplätze
möglich. Die Untersuchung bezieht sich auf die durch den Bau
der Kraftwerke geschaffene Wertschöpfung bzw.
Arbeitsplätze. Die Zahl der Beschäftigten, die
zusätzlich durch den Betrieb der Anlagen entstehen
könnte, liegt weltweit etwa dreimal höher. Für den
Bau und den Betrieb werden im Jahr 2050 weltweit etwa zwei
Millionen Arbeitsplätze nötig sein. Das ergibt eine
bereits vor einigen Wochen veröffentlichte Studie von
Greenpeace.
"Deutschland kann von Solarkraftwerken in Wüsten einen
doppelten Nutzen erzielen: Bereits heute als Exporteur grüner
Technologie und in absehbarer Zeit als Importeur sauberen
Wüstenstroms. Mittelständische Unternehmen und Konzerne
erhalten eine hervorragende Perspektive", erklärt Max
Schön, Präsident des Club of Rome und
Aufsichtsratsmitglied der Desertec Foundation. "Zukünftig kann
Deutschland sogar mit allen Erneuerbaren Energien über eine
Million Arbeitsplätze schaffen. Damit könnte eine mit der
Automobilindustrie vergleichbare Leitindustrie entstehen."
Das Desertec-Konzept sieht für Nordafrika und den Nahen Osten
vor, zunächst den eigenen Energiebedarf klimafreundlich zu
decken. Darüber hinaus können die Regionen Strom in den
Norden exportieren.
Greenpeace und der Club of Rome Deutschland fordern
gemeinschaftliche Konzepte für den Bau von Solarkraftwerken.
Deutschland und Europa sollten Hand in Hand mit den Staaten
Nordafrikas und des Nahen Ostens einen Fahrplan für den Bau
von Wüstenkraftwerken und des erforderlichen
Stromverbundnetzes erarbeiten.
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