Deutschland verpasst Klimaziele
Samstag, 22. August, 11:01 Uhr
Magazin: Deutschland verfehlt selbstgesteckte Klimaziele
Hamburg (ddp). Die Bundesregierung wird einer Studie zufolge
die selbstgesteckten Ziele zur Verminderung des
Kohlendioxidausstoßes nicht erreichen. Bei der Umsetzung des
von der schwarz-roten Koalition 2007 beschlossenen
Klimaschutzpakets seien viele Maßnahmen
«ausgeklammert» oder «von Lobbyverbänden
stark verwässert» worden, heißt es in einer vom
«Spiegel» zitierten Studie des Aachener Ingenieur- und
Beratungsunternehmens EUtech im Auftrag der internationalen
Umweltorganisation Greenpeace.
Weder eine ökologisch orientierte Reform der Kfz-Steuer noch
eine weitreichende Sanierungspflicht bei Altbauten oder ein
striktes Verbot von Nachtspeicherheizungen seien durchgesetzt
worden, berichtete das Magazin aus der Studie. Nach Berechnungen
von EUtech sei damit bis 2020, auch aufgrund eines lahmenden
Ausbaus von Offshore-Windparks, nur eine Emissionsminderung von
unter 30 Prozent zu erreichen - die Bundesregierung hatte 40
Prozent versprochen.
Da der Gesamtausstoß von Kohlendioxid in der
Energiewirtschaft zudem überraschend auf zuletzt über 385
Millionen Tonnen gestiegen sei, fordern die Experten einen
radikalen Umbau der Energieerzeugung. Nötig seien der Ausbau
von Gaskraftwerken, Kraft-Wärme-Kopplung und eine
stärkere Nutzung erneuerbarer Energien, die schon 2020
für den Stromverbraucher zu Preisvorteilen führen
könne.
Samstag, 22. August, 11:24 Uhr
Neuer Präsident des Umweltbundesamts fordert mehr
Klimaschutz
Berlin (AP) Der neue Präsident des Umweltbundesamts,
Jochen Flasbarth, hat von der nächsten Bundesregierung ein
weiteres Klimaschutzpaket gefordert. Das Ziel, bis 2020 den
Ausstoß von Kohlendioxid um 40 Prozent unter den Wert von
1990 zu bringen, werde mit den beschlossenen Maßnahmen noch
nicht erreicht, sagte Flasbarth dem «Spiegel». Sie
«reichen nur für ein Minus von 35 Prozent», sagte
der bisherige Abteilungsleiter im Umweltministerium laut einer
Meldung vom Samstag.
Weil man davon ausgehen müsse, dass ein Teil der heutigen
Maßnahmen nicht vollständig funktioniere, brauche es
einen Puffer. «Das neue Klimapaket sollte weitere zehn
Prozentpunkte CO2-Reduzierung bringen», sagte Flasbarth. Als
Ziel nannte er ein «CO2-freies Deutschland bis
2050».
Der künftige Behördenchef forderte vor allem
Maßnahmen beim Verkehr. Wer ein generelles Tempolimit auf
Autobahnen ablehne, müsse darlegen, wo sonst CO2 eingespart
werden könne. «Unsere Autos sind auch deshalb so schwer
und verbrauchsstark, weil sie dafür ausgelegt sind, bei 180
Stundenkilometer nicht aus der Kurve zu fliegen», kritisierte
der UBA-Chef, der am 1. September sein Amt antritt. «Ein
Abrüstungsprogramm hin zu effizienten, schicken Leichtbauautos
ist nötig.»
Ein neuer Bundesverkehrswegeplan solle zudem den Klimaschutz
berücksichtigen und dem öffentlichen Verkehr Vorrang
geben. «Einige Straßenbauprojekte werden auf der
Strecke bleiben müssen», sagte Flasbarth.
Laut Studie weniger als 30 Prozent Minderung
Nach einer neuen Studie im Auftrag von Greenpeace werden mit den
von der Regierung beschlossenen Maßnahmen sogar weniger als
30 Prozent Emissionsminderung bis 2020 erreicht. Laut
«Spiegel» kam das Aachener Ingenieur- und
Beratungsunternehmen EUtech zu dem Ergebnis, dass das von der
Großen Koalition in Meseberg 2007 vereinbarte
Klimaschutzpaket von Lobbyverbänden stark verwässert
worden sei.
Der Gesamtausstoß von Kohlendioxid in der Energiewirtschaft
sei überraschend auf zuletzt über 385 Millionen Tonnen
gestiegen. Die Experten fordern dem Bericht zufolge einen radikalen
Umbau der Energieerzeugung hin zu mehr Gaskraftwerken,
Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien. Dies
könnte schon 2020 für den Stromverbraucher zu
Preisvorteilen führen.
Mittwoch, 19. August, 03:31 Uhr
Gabriel begrüßt Klimaschutzziele der Chinesen
Berlin (ddp). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat
begrüßt, dass China sich erstmals Ziele beim Klimaschutz
stellen will. «Das ist ein großer Schritt, der
dafür sorgen kann, dass Bewegung in die Klimaverhandlungen
kommt», sagte er der «Berliner Zeitung»
(Mittwochausgabe). Jetzt müssten auch die Industrieländer
außerhalb der EU diesen Ball aufgreifen und sich ähnlich
anspruchsvolle Minderungsziele geben wie die Europäische
Union. Ob der jetzt von China angekündigte Emissionsplan
ambitioniert genug sei, um die Erderwärmung auf maximal zwei
Grad zu begrenzen, wie international angestrebt wird, müsse
aber noch genauer geprüft werden, sagte Gabriel.
Eine chinesische Expertengruppe hat der Regierung dringend
empfohlen, mit einer entschiedenen Umweltpolitik den Anstieg der
Emissionen ab 2020 so weit zu bremsen, dass 2030 ein
Höchststand erreicht wird. Nach Ansicht deutscher Fachleute
liege dieser Vorschlag bei aller positiven Bewertung aber noch
deutlich unter dem, was China zum Klimaschutz beitragen müsste
und auch könnte, heißt es in der Zeitung.
Nicht nur falsch – auch böse...
Die manipulierten Wahrheiten der
Klimaskeptiker
Von Sigrid Totz und Jan Haase, Greenpeace-Online,
20.8.09
Anfang Dezember werden die Staats- und Regierungschefs der Welt in
Kopenhagen über die Klimaschutzmaßnahmen der Zukunft
entscheiden. Der massive Widerstand von Interessengruppen gegen ein
solches Klimaschutzabkommen wächst vor allem in den USA. Dort
wird von den Leugnern des Klimawandels, sogenannten
Klimaskeptikern, auch nicht vor Manipulationen und Faktenklitterung
zurückgeschreckt. Jüngstes Opfer der Angriffe wurde Gerd
Leipold, Geschäftsführer von Greenpeace
International.
Auf der Internetseite Big Hollywood veröffentlichten die
Filmemacher Phelim McAleer und Ann McElhinney am Mittwoch exklusiv
einen Blogeintrag über ein Interview von Gerd Leipold bei der
BBC. Hauptaussage: Der Greenpeace-Geschäftsführer habe
zugegeben, dass Warnungen vor der Eisschmelze in der Arktis eine
Übertreibung, ja sogar eine Lüge seien. Doch die
angeführten Beweise erweisen sich bei einem genaueren Blick
als manipuliert und aufgebauscht. Das angefügte Video des
BBC-Interviews ist eine von den Filmemachern überarbeitete
Version des Originals. Nach einer Frage des Journalisten Stephen
Sackur wurden 1:32 Minuten des Interviews herausgeschnitten. So
antwortet Gerd Leipold nun auf eine ihm so in Wahrheit nicht
gestellte Frage.
Als Hauptbeweis für angebliche Greenpeace-Übertreibungen
muss ein Missverständnis zwischen Sackur und Leipold
herhalten. Der BBC-Journalist versteht die Aussage in einem
Greenpeace-Blog, dass bis 2030 die Arktis im Sommer eisfrei werde
("Ice free Arctic"), als Prognose für das Abschmelzen auch des
Landeises auf Grönland. Gemeint ist aber das von
Klimawissenschaftlern prognostizierte Abschmelzen des Meereises im
Sommer. Zwar reden auch Forscher im Englischen von "arctic ice",
wenn sie vom Abschmelzen des Meereises sprechen. Korrekterweise
müsste es aber "arctic sea ice" heißen. "Das könnte
ein Fehler gewesen sein", wie Leipold zugibt. Die Filmemacher
verdrehen diese Aussage Leipolds so, als nehme er damit alle
Warnungen vor dem Klimawandel zurück.
Der Angriff auf Greenpeace ist Teil einer Marketingkampagne
für den Film Not evil – just wrong, der am 18. Oktober
veröffentlicht wird. McAleer und McElhinney, die Regisseure
und Produzenten des Films sind, wollen damit "die wahren Kosten der
Klimawandel-Hysterie" belegen. Auch bei Not evil – just wrong
werden Interviews mit Klimaforschern verkürzt, und damit
sinnentstellend gezeigt.
Skeptiker oder Lobbyisten?
Dass es einen vom Menschen verursachten Klimawandel gibt, ist eine
Erkenntnis, die sich in Jahrzehnten durchgesetzt hat. Noch in den
Neunzigerjahren verlief die Diskussion wesentlich kontroverser als
heute. Seitdem ist die globale Erwärmung immer deutlicher
hervorgetreten. Heute gibt es kaum noch Klimaforscher, die die
Existenz des vom Menschen gemachten Klimawandels verneinen.
Nach wie vor gibt es jedoch eine kleine Gruppe sogenannter
Klimaskeptiker. Sie sind vielleicht wirklich nicht von der
Stichhaltigkeit der Datenlage überzeugt. Oder nicht bereit,
einen Lebensstil in Frage zu stellen, der den Planeten
ruiniert.
Oft aber stehen Lobbyisten aus Industrie und Wirtschaft hinter den
Skeptikern. Das überrascht nicht wirklich. Wenn Menschen den
Klimawandel verursachen, muss vom Menschen gegengesteuert werden.
Wenn Öl und Kohle als Energieträger zur globalen
Erwärmung führen, müssen sie durch
umweltfreundlichere Energieträger ersetzt werden. Die Öl-
und Kohleindustrie freut das nicht. Die Rolle des Ölmultis
ExxonMobil (Esso) dabei ist längst belegt.
In den USA leisteten die organisierten Lobbyisten in den
Neunzigerjahren ganze Arbeit. Dass die Vereinigten Staaten das
Kyoto-Protokoll nicht unterzeichneten, geht nicht zuletzt auf das
Konto von Exxon bezahlter Klimaskeptiker. US-Klimaskeptiker waren
es auch, die 1996 das European Science and Environment Forum (ESEF)
gründeten - eigens zu dem Zweck, eine effektive
europäische Klimaschutzpolitik zu verhindern.
Donnerstag, 20. August, 19:45 Uhr
Weltmeere erreichen Rekordtemperaturen
Washington (AP) Die Weltmeere sind in diesem Sommer so warm
wie noch nie. Die Durchschnittstemperatur im Juli lag bei 17 Grad,
wie wie das National Climatic Data Center (NCDC) am Donnerstag in
Washington mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Beginn der
Aufzeichnungen 1880. Der bisherige Rekord war 1998 erreicht worden.
Meteorologen führen die Erwärmung auf natürliche
Faktoren, aber auch auf den Einfluss des Menschen
zurück.
Donnerstag, 20. August, 09:12 Uhr
Australien beschließt Ziel für erneuerbare Energien
Canberra (AP) Australien will bis 2020 mindestens 20 Prozent
seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und
Wind gewinnen. Beide Kammern des Parlaments verabschiedeten am
Donnerstag ein entsprechendes Gesetz. Auch die konservative
Opposition stimmte zu, nachdem die Regierung eine höhere
Unterstützung für energieintensive Branchen sowie einen
Schutz bestehender Investitionen im Kohlebergbau zugesagt
hatte.
Bisher entfallen erst acht Prozent der Stromerzeugung in Australien
auf erneuerbare Energien. Mit der Zielsetzung, dies auf 20 Prozent
zu erhöhen, folgt Australien der Europäischen Union.
Deutschland hat sich ein Ziel von mindestens 30 Prozent bis 2020
gesetzt - 2007 wurden bereits rund 14 Prozent des Stroms in
Deutschland aus Wind-, Wasser-, Bio- und Solarenergie gewonnen. In
Australien verlangten auch die oppositionellen Grünen einen
Zielwert von 30 Prozent.
Die Klimaschutzministerin der sozialdemokratischen Regierung, Penny
Wong, sagte im Senat, dass die CO2-Emissionen in Australien das im
Jahr 2000 erreichte Niveau selbst dann um 20 Prozent
übersteigen würden, wenn das Ziel bei den erneuerbaren
Energien erreicht werde. Daher müsse ein Gesetz her, dass den
Ausstoß von Treibhausgasen begrenze und Unternehmen zur Kasse
bitte, die sich nicht daran hielten. Erst in der vergangenen Woche
hat der Senat eine Vorlage der Regierung für ein solches
Klimaschutzgesetz zurückgewiesen.
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