Entwaldung in Amazonien

Veröffentlicht: Mo, 17.08.2009
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Luftaufnahmen decken auf - Illegaler Holzeinschlag in Schutzreservat Survival International Deutschland e.V., 13.8.09 Neue Luftaufnahmen haben aufgedeckt, dass illegale Holzfäller in einem Reservat im Amazonas tätig sind, das für unkontaktierte und daher sehr verletzbare Indigene bestimmt ist. Die Bilder zeigen ein Holzfällercamp innerhalb des Murunahua-Reservates in Peru. Das Reservat wurde 1997 eingerichtet, um das unkontaktierte Volk der Murunahua zu schützen. Es wurden noch drei weitere Camps im Reservat gesichtet. Die Anwesenheit illegaler H

Luftaufnahmen decken auf - Illegaler Holzeinschlag in Schutzreservat

Survival International Deutschland e.V., 13.8.09

Neue Luftaufnahmen haben aufgedeckt, dass illegale Holzfäller in einem Reservat im Amazonas tätig sind, das für unkontaktierte und daher sehr verletzbare Indigene bestimmt ist.

Die Bilder zeigen ein Holzfällercamp innerhalb des Murunahua-Reservates in Peru. Das Reservat wurde 1997 eingerichtet, um das unkontaktierte Volk der Murunahua zu schützen. Es wurden noch drei weitere Camps im Reservat gesichtet.

Die Anwesenheit illegaler Holzfäller in dieser Region machte im Mai 2008 weltweit Schlagzeilen, nachdem die brasilianische Regierung behauptet hatte, die Holzfäller vertrieben die unkontaktierten Indigenen von Peru ins benachbarte Brasilien.

Perus Regierung hat abgestritten, etwas von der Anwesenheit der Holzfäller in dem Reservat zu wissen und ließ kürzlich verlauten, es gebe keinen Beweis dafür, dass die Indigenen über die Grenze fliehen.

„Es scheint, als seien alle vier Camps aktiv. Illegale Abholzung ist eine ernste Bedrohung für die Indigenen, die in dieser Region leben. Diese bisher unkontaktierten Menschen sind nicht nur in hohem Maße anfällig für Krankheiten, denen sie durch den Kontakt mit anderen Personen ausgeliefert sind, es gibt auch eine lange Geschichte gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Holzfällern,“ sagte Chris Fagan, ein Umweltschützer der US-amerikanischen Organisation Round River Conservation Studies, der die Fotos machte.

Einige Murunahua sind Mitte der 1990er Jahre mit Holzfällern in Kontakt gekommen – nach Schätzungen starb die Hälfte des Volkes in Folge dessen. Einer der Überlebenden berichtete einem Aktivisten von Survival: „Wir verließen den Wald, nachdem die Holzfäller Kontakt mit uns aufnahmen. Zu diesem Zeitpunkt überfiel uns die Krankheit. Sie tötete die Hälfte von uns.“

Der Direktor von Survival, Stephen Corry, sagte heute: „Diese Fotos beweisen, dass Holzfäller sich innerhalb des Murunahua-Reservates aufhalten. Perus Regierung muss sofort handeln: Die Holzarbeiten müssen gestoppt werden, damit die unkontaktierten Indigenen in Frieden leben können. Das Schicksal der isoliert lebenden indigenen Gruppen war eines der Anliegen der Proteste im Amazonas in den vergangenen Monaten.“

Leder- und Fleischerzeuger Bertin lenkt ein

Von Viktoria Thumann, Greenpeace-Online, 14.8.09

Ein großer Erfolg für unser Klima: Gemeinsam mit den Markenherstellern Adidas, Timberland, Clarks und Geox konnte ein riesiger Schritt für den Schutz des Amazonas-Urwalds gemacht werden. Der größte Lederhersteller und zweitgrößte Fleischerzeuger in Brasilien, die Firma Bertin, wird ab sofort keine Rinder mehr von Farmen beziehen, die in weitere Urwaldzerstörung verwickelt sind.

Dieses Zugeständnis ist der Erfolg einer langjährigen Greenpeace-Kampagne. Anfang Juni 2009 hat die Organisation den Report Wie Rinder den Regenwald fressen veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, wie für die Rinderhaltung im Amazonas-Gebiet der Wald vernichtet und das Klima angeheizt wird.

"Das ist ein großer Fortschritt für den Schutz des Urwalds und des Klimas" sagt Tobias Riedl, Waldexperte von Greenpeace. "Unsere jahrelange Recherche hat sich gelohnt. Die Markenhersteller erkennen ihre Verantwortung und reagieren schnell und richtig. Das ist auch ein wichtiges Signal für die Käufer ihrer Produkte."

Drei Jahre hat Greenpeace für den Enthüllungsreport recherchiert. Die Erfolgsmeldungen ließen nach der Veröffentlichung nicht lange auf sich warten. Zunächst hat der Sportartikelhersteller Nike im Juli erklärt, künftig auf Urwald-Leder zu verzichten. Bald folgten Adidas, Timberland, Clarks und Geox diesem guten Beispiel. Die Unternehmen machten Druck auf Bertin, bis der Konzern nun endlich eingelenkt hat.

Der Leder- und Fleischproduzent wird fortan alle seine Lieferanten auf die Quelle der gelieferten Rinder überprüfen. Sie müssen GPS-Daten ihrer Farmen angeben. So lässt sich über Satellit verfolgen, ob neue Urwaldflächen vernichtet werden. Zudem wird Bertin ein System aufbauen, das den Transport der Rinder von Farmen zu Schlachthäusern und Lederfabriken nachweist. Dies soll verhindern, dass die Zulieferer ihre Herstellungswege verschleiern können.

Urwald-Zerstörung ist wesentlich für den Klimawandel

Solche Schritte sind auch bitter nötig. Die Zerstörung der letzten Urwälder verschärft den Klimawandel erheblich. Hierdurch entstehen fast 20 Prozent des weltweiten Ausstoßes an CO2. Rund 80 Prozent der abgeholzten Urwaldfläche im Amazonasgebiet wird als Weideland für die Rinderzucht verwendet. Das Rindfleisch wird überwiegend in Südamerika verkauft. Das Leder geht nach China, Italien und Vietnam, wo Schuhfirmen wie Timberland oder Adidas auch für den europäischen Markt fertigen lassen.

Rund 75 Prozent des brasilianischen Ausstoßes von Treibhausgasen stammen aus der Zerstörung der Wälder. Das Land ist der viertgrößte Klimaverschmutzer der Welt. "Es ist extrem wichtig, dass die Schuhhersteller handeln. Sie können dafür sorgen, dass die Rinderbranche in Brasilien umstellt. Nur wenn die Urwälder bewahrt werden, sind auch die Ziele zum Klimaschutz zu erreichen", erklärt Riedl.

Ein weiterer Erfolg scheint sich anzukündigen. So hat der viertgrößte Rinderverarbeiter Marfrig bereits angekündigt, ähnliche Schritte zu unternehmen. Doch es gibt noch weitere Konzerne, die mit dem Regenwald in Amazonien unser Klima verheizen. Greenpeace verlangt von der Firma JBS-Friboi, dem größten Fleischkonzern der Welt, seine Produktionskette ebenfalls umzustellen.

Eine andere Forderung richtet Greenpeace an die Regierungschefs, die im Dezember in Kopenhagen bei den UN-Klimaverhandlungen tagen werden. Die Industrieländer sollen im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen einen internationalen Urwaldfonds einrichten. Schließlich sind sie es, die den Klimawandel hauptsächlich verursacht haben. Tropenwald-Länder wie Brasilien sollen daraus Geld für den Schutz ihrer Wälder und des Klimas erhalten. Insgesamt müssen Industrieländer 110 Milliarden Euro jährlich für den Kampf gegen den Klimawandel bereitstellen. Der Anteil Deutschlands würde sieben Milliarden Euro betragen.

Sie selbst müssen übrigens nicht abwarten, bis die Regierungschefs im Dezember aktiv werden. Auf der neuen Greenpeace-Community GreenAction können Sie sofort in der Kampagne Rettet Amazonien aktiv werden. GreenAction bietet viele weitere Mitmach-Kampagnen zu den verschiedensten Umweltthemen. Loggen Sie sich ein und machen Sie mit!