Klimabeschlüsse auf G8-Gipfel
8. Juli, 2009
Merkel wertet G8-Klimabeschlüsse als Erfolg
L´Aquila (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat
die Klimabeschlüsse des G8-Gipfels als «deutlichen
Schritt nach vorn» gewürdigt. «Nach langem Ringen
ist es gelungen, dass alle G8-Staaten das Zwei-Grad-Ziel
akzeptieren», sagte Merkel am Mittwochabend im italienischen
L´Aquila. Dies sei eine «sehr erfreuliche
Entwicklung». Dabei geht es um das Ziel, den Anstieg der
globalen Durchschnittstemperatur auf maximal zwei Grad Celsius zu
begrenzen.
Das positive Ergebnis sei insbesondere einer Trendwende in den USA
zu verdanken, hob die Kanzlerin hervor. US-Präsident Barack
Obama habe deutlich gemacht, er lege Wert darauf, dass «er
das, was er versprochen hat, auch einhalten kann». Die USA
wollten ebenfalls den Erfolg der Klimakonferenz von Kopenhagen.
Dort soll im Dezember eine Nachfolgevereinbarung des sogenannten
Kyoto-Protokolls ausgehandelt werden. Bis dahin sei aber
«noch eine Menge Arbeit zu leisten», betonte
Merkel.
Auch bei den Fragen der Weltwirtschaft habe der G8-Gipfel deutliche
Fortschritte gebracht, fügte Merkel hinzu. So solle die Arbeit
an einer internationalen Finanzverfassung fortgeführt werden.
Außerdem sei man sich einig gewesen, in der Zeit nach der
Krise wieder zu einer «nachhaltigen
Haushaltsführung» zurückzukehren.
8. Juli, 2009
EU schlägt Entwicklungsländern Treibhausgasminderung
bis 2020 vor
Berlin (ddp). Zum Auftakt des Gipfeltreffens der sieben
führenden Industriestaaten und Russlands in L´Aquila hat
die EU die Entwicklungsländer zu substanziellen Anstrengungen
beim Klimaschutz aufgerufen. «Wir schlagen vor, dass die
Entwicklungsländer als Gruppe sich das Ziel setzen, die
Emissionen bis zum Jahr 2020 um 15 bis 30 Prozent zu verringern im
Vergleich zu einer Entwicklung ohne spezielle
Politikmaßnahmen zur Emissionsminderung», sagte
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas der «Berliner Zeitung»
(Mittwochausgabe) laut Vorabbericht.
Dimas betonte, ein Teil der geforderten Reduktionen finanziere sich
von selbst, etwa durch Investitionen in Energieeffizienz.
Nötig sei aber auch eine finanzielle Unterstützung der
Industrieländer. «Ohne substanzielle Zugeständnisse
der Industrienationen an die Entwicklungsländer wird es im
Winter keinen Kopenhagen-Vertrag geben», sagte Dimas. Die EU
sei bereit, einen «fairen Beitrag» zu leisten.
Dimas forderte die G8-Staaten ferner auf, sich in L´Aquila
nicht nur auf eine Minderung der Treibhausgase um 80 Prozent bis
2050 festzulegen, wie es derzeit diskutiert wird. «Noch
besser wäre es natürlich, wenn sich die G8 auch darauf
verständigen könnten, die Emissionen aller
Industrieländer bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu
reduzieren», betonte er. Die EU sei dazu bereit, wenn andere
Länder mitziehen.
G8-Klimaergebnis: Fortschritt, aber kein Durchbruch
WWF Pressemitteilung, 9.7.09
Berlin - Die G8-Staaten haben sich endlich bewegt und gemeinsam
anerkannt, dass sie die globale Temperaturerhöhung auf maximal
2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten begrenzen
müssen. Der WWF sieht darin einen positiven Beitrag für
die bevorstehende UN-Klimakonferenz in Kopenhagen, vermisst jedoch
klare Aussagen, wie dieses Ziel umgesetzt werden soll.
„Die Einigung ist vielleicht ein großer Schritt
für die G8, aber leider nur ein kleiner Schritt für das
Klima“, erklärt Regine Günther, Leiterin
Klimapolitik und Energie beim WWF. Die G8-Staaten haben sich auf
eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 80 Prozent bis 2050
geeinigt. Allerdings wurde nicht genau festgelegt, welches Jahr als
Maßstab für die Reduzierung gelten soll. Darüber
hinaus fehlen klare mittelfristige Minderungsziele bis 2020.
Nach Ansicht des WWF muss die Gruppe der Industriestaaten ihre
Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990
senken. Die USA sollten vergleichbare Ziele übernehmen.
Addiert man die bisherigen Reduktionsziele der einzelnen
Industrieländer wird dieses Ziel bis 2020 nicht erreicht. Der
G8-Gipfel hat es nicht geschafft, diese Lücke zu
schließen.
„Enttäuschend ist, dass die G8 bei der finanziellen
Unterstützung der Schwellen- und Entwicklungsländer im
Klimaschutz auf der Stelle treten. Weiterhin gilt: Die Gletscher
schmelzen schneller als die Regierungschefs handeln“, so
Regine Günther.
8. Juli, 2009
BUND verlangt Sanktionen gegen Missachtung von Klimazielen
Erfurt (ddp). Angesichts der Vereinbarungen auf dem G8-Gipfel
im italienischen L´Aquila fordert der Bund für Umwelt
und Naturschutz (BUND) ein verbindliches Sanktionsregime.
«Bisher bleiben alle Missachtungen von eingegangenen
Verpflichtungen folgenlos», sagte der BUND-Vorsitzende Hubert
Weiger der in Erfurt erscheinenden Zeitung «Thüringer
Allgemeine» (Donnerstagausgabe). Der Verstoß gegen
Klimaschutz bedeute letztendlich «eine Aggression eines
Staates gegen andere Staaten, zwar nicht mit Waffen, aber doch mit
katastrophalen Folgen», betonte der Umweltexperte.
Die Chancen, dass in Kopenhagen basierend auf den G8-Ergebnissen
ein Kyoto-Nachfolgeabkommen verabschiedet werden kann, sieht Weiger
bei «50 zu 50». Entscheidend sei die öffentliche
Debatte und «ob die Wirtschaftskrise dem Klimaschutz
weiterhin das Wasser abgräbt».
9. Juli, 2009
Klima-Forscher Schellnhuber begrüßt G-8-Einigung
Berlin (AP) Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim
Schellnhuber hat die Einigung des G-8-Gipfels zur Erderwärmung
als «entscheidenden Schritt» zur Begrenzung des
Ausstoßes von Treibhausgasen bezeichnet. Im Inforadio des RBB
sagte der Direktor des Instituts für Klimafolgenforschung am
Donnerstag, die EU müsse demnach bis 2020 ihren CO2-Ausstoss
um 40 Prozent reduzieren.
Die USA, die während der Präsidentschaft von George W.B.
Bush «ein ganzes Jahrzehnt beim Klimaschutz verloren»
hätten, müssten ihre Emissionen bis dahin um zehn Prozent
senken. Mehr sei vorerst nicht zu erwarten. In den Jahren bis 2030
müssten die USA bei den Treibhausgasen allerdings eine
«Vollbremsung» hinlegen, sagte Schellnhuber.
Zu Beginn ihres Treffens im italienischen L'Aquila setzten sich die
wichtigsten Industrieländer am Mittwoch das gemeinsame Ziel,
die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Bisher hatten die
USA eine solche gemeinsame Festlegung blockiert. Bundeskanzlerin
Angela Merkel sprach von einer «Trendwende in den Vereinigten
Staaten von Amerika».
Die Gipfelteilnehmer verpflichteten sich auch, die
Treibhausgasemissionen weltweit bis 2050 zu halbieren. Sie selbst
sagten eine Verringerung von 80 Prozent im Vergleich zu 1990
zu.
9. Juli, 2009
Mit zwei Jahren Verspätung auf den Klimapfad -Hintergrund
Berlin/L'Aquila (AP) Schon vor zwei Jahren kämpfte
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm
verbissen für ein Ziel: Die größten
Industrieländer sollten sich dazu bekennen, dass die globale
Temperatur im Mittel in diesem Jahrhundert um nicht mehr als zwei
Grad ansteigen darf. Damals leistete jedoch US-Präsident
George W. Bush erbitterten Widerstand.
Mit seinem Nachfolger Barack Obama ging es im italienischen
L'Aquila dann doch. Und auch von den großen
Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und
Südafrika kommt Unterstützung: Das Zwei-Grad-Ziel ist nun
offiziell. Für viele Klimaexperten ist dies ein
«entscheidender Schritt», wie es der Wissenschaftler
Hans-Joachim Schellnhuber am Donnerstag formulierte.
Regeln der «angewandten Physik»
Denn das Ziel gilt vielen als eine Art Überbau, aus dem alles
andere für den Klimaschutz folgt. Dieser sei «angewandte
Physik», sagte Umweltminister Sigmar Gabriel diese Woche in
einer Grundsatzrede: «Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, muss
weltweit die Emission der Treibhausgase bis 2050 gegenüber
1990 halbiert und die der Industriestaaten um mehr als 80 Prozent
reduziert werden.»
Das wiederum gilt als Stand der Wissenschaft, wie er vom
Weltklimarat IPCC 2007 in mehreren Aufsehen erregenden Berichten
festgehalten wurde. Nach Feststellung der dort versammelten
führenden Klimaforscher der Welt bleiben die Folgen des
Klimawandels nur dann einigermaßen erträglich, wenn der
Anstieg der Temperatur auf zwei Grad begrenzt wird. Maßstab
ist in der Regel die Temperatur zu Beginn der Industrialisierung
1890.
Seitdem ist die Durchschnittstemperatur bereits um etwa ein Grad
gestiegen. Wenn nichts getan wird, könnte es bis 2100 um bis
zu 6,4 Grad wärmer auf der Erde werden - mit unabsehbaren
Folgen. Sollte die Zwei-Grad-Marke überschritten werden,
wären vor allem die ärmsten Länder von Hunger,
Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis
zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten wären vom
Aussterben bedroht.
Selbst wenn es gelänge, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, bleibt
die Welt mitnichten heil. So rechnen die Wissenschaftler damit,
dass im Jahr 2050 bis zu zwei Milliarden Menschen von
Wasserknappheit bedroht wären. Einige Gebiete der Erde
würden trotzdem unbewohnbar. So werben zum Beispiel die
kleinen Inselstaaten wie die Malediven oder Tuvalu in den
internationalen Klimaverhandlungen für ein ambitionierteres
Klimaziel von nicht mehr als 1,5 Grad Erwärmung - weil sie
sonst schlicht untergehen.
80 Prozent runter mit den Klimagasen
Schon die Zielmarke von zwei Grad ist aber aus Sicht vieler
Wissenschaftler nur mit äußerster Disziplin einzuhalten
- oder gar nicht mehr. Die gängige Formel ist die von Gabriel
genannte: bis 2050 nur noch halb so viele Emissionen wie 1990. Zu
diesem Ziel bekannten sich die G-8 sogar in Heiligendamm und im
Jahr darauf in Japan schon - allerdings mit wachsweichen
Formulierungen. Der jetzige Beschluss ist eine Klarstellung: Man
hat die letzten Hintertürchen geschlossen - zumindest bei dem
langfristigen Ziel.
Die drastische Vorgabe für die Industrieländer, 80 bis 90
Prozent der Emissionen einzusparen, ergibt sich aus der Teilung der
Verantwortung, die seit dem Umweltgipfel von Rio 1992 Konsens ist:
Die Industrieländer müssen mehr tun, weil sie den
Großteil der bisherigen Emissionen verursacht haben. Die
Entwicklungs- und Schwellenländer sollen die Chance haben
wirtschaftlich aufzuholen.
Für sie hat man sich eine Sonderregel ausgedacht: Im Gegensatz
zu den Industrieländern müssen sie ihren Ausstoß an
Klimagasen nicht absolut senken, sondern unterhalb einer Linie
halten, die erreicht würde, wenn sie gar nichts täten. Im
Vergleich zum diesem «Business as Usual» sollen sie 15
bis 30 Prozent weniger ausstoßen - jedenfalls nach
Vorstellung der Industrieländer.
Noch fehlt das Konkrete
Theoretisch könnte mit der Festlegung des Zwei-Grad-Ziels die
Wende im Kampf gegen den Klimawandel erreicht sein.
Tatsächlich ist 2050 aber viel zu lang hin, um den Dingen
ihren Lauf zu lassen. Wichtiger noch als luftige Erklärungen
für 2050 sind aus Sicht vieler Experten konkrete Ziele
für 2020, die im Dezember beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen
festgelegt werden sollen.
Und hier ist die Weltgemeinschaft von einer Einigung noch weit
entfernt. Die Festlegung auf das Zwei-Grad-Ziel sei ja schön
und gut, aber viel zu wenig, erklärte Greenpeace-Klimaexperte
Tobias Münchmeyer zum Beschluss von L'Aquila: «Ohne
klaren Plan, ohne Geld und Ziele haben die G-8-Führer eben
doch nicht geholfen, die festgefahrenen UN-Klimaverhandlungen
wieder flott zu machen.»
Klimaschutz bei G8 und MEF: Durchbruch im Denken, nicht im
Handeln
Richtige Messlatte aufgelegt, doch es fehlt der Mut
zum Springen
Germanwatch Pressemitteilung, 9.7.09
Die großen Industrie- und Schwellenländer haben sich
gemeinsam auf eine langfristige Messlatte für die
internationalen Klimaschutzbemühungen geeinigt. Der Text, der
am späten Dienstagabend ohne Klammern vereinbart wurde, soll
heute von den Regierungschefs offiziell verabschiedet werden. Die
globalen Temperaturen sollen demnach nicht über die
Großgefahrenschwelle von zwei Grad gegenüber
vorindustrieller Zeit ansteigen. Für die USA, Russland, Japan,
Australien, Kanada, aber auch für die großen
Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien ist es das erste
Mal, dass sie diese Schwelle als Orientierung für alle
weiteren Klimaschutzbemühungen anerkennen. Da sowohl die
kleinen Inselstaaten als auch die besonders armen
Entwicklungsländer noch schärfere Klimaziele fordern,
kann das Zwei-Grad-Limit ab heute als globaler Mindestkonsens
für die notwendige internationale Klimastrategie betrachtet
werden. "Damit haben die Regierungen der Industrie- und
Schwellenländer selber die Messlatte aufgelegt, an denen sich
ihre Handlungen messen lassen müssen", kommentiert Klaus
Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch.
Die großen Industriestaaten werden in ihrem G8-Klimatext noch
konkreter. Sie wollen die Emissionen der Industrieländer als
historisch Hauptverantwortliche bis 2050 um 80% oder mehr
reduzieren. Auch dies wird zum ersten Mal vom G8-Club der
großen Industrieländer akzeptiert. Allerdings bleibt das
Basisjahr umstritten - 1990 oder später heißt es im
Text. Um auch nur mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit den
Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, wäre
ein Basisjahr von 1990 für alle Industriestaaten notwendig. Da
bis 2005 die Emissionen stark gestiegen sind, reicht z.B. dieses
Jahr als Basisjahr nicht aus. Gleichzeitig sollen nach
Vorstellungen der großen Industrieländer die globalen
Emissionen bis dann um mindestens die Hälfte sinken.
"Positiv ist, dass es jetzt einen Konsens unter den großen
Industriestaaten gibt, sich für schnelle Fortschritte in
Richtung beschleunigter Emissionsreduktionen für den
internationalen Flug- und Schiffverkehr einzusetzen", unterstreicht
Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von
Germanwatch, einen weiteren wichtigen Punkt. Unter anderem die
bisherigen US-Regierungen hatten solchen Fortschritt bisher
blockiert.
Noch fehlt der Mut zur jetzt notwendigen
Umsetzung
Wer meint, was er sagt, wenn er vom Zwei-Grad-Limit spricht, muss
jetzt zum ersten Sprung Anlauf nehmen: Schon zwischen 2013 und 2017
müsste der Höhepunkt der globalen Emissionen erreicht
sein, wenn eine realistische Chance für das Zwei-Grad-Limit
bestehen soll. Doch genau hier, wo die heute Regierenden jetzt die
notwendigen Maßnahmenpakete beschließen müssten,
fehlt bislang der Konsens. Sowohl im Text mit den
Schwellenländern als auch im Text der Industrieländer
heißt es lediglich: der Höhepunkt der Emissionen solle
"sobald wie möglich" erreicht werden. Viele
Industrieländer legten z.B. für 2020 bisher nur
unzureichende Reduktionsziele vor - insbesondere Japan, Australien,
Kanada und Russland gehören dazu. Sie verstecken sich hinter
dem breiten Rücken der US-Regierung, die fürchtet, dass
sie für die eigentlich notwendigen kurzfristigeren Klimaziele
nicht die notwendigen Mehrheiten in Kongress und Senat bekommen
könnte. Zugleich haben alle Industriestaaten - auch die EU -
bisher nicht deutlich gemacht, in welcher Größenordnung
sie die Klimaschutz- und Anpassungsbemühungen der
Entwicklungsländer finanziell unterstützen wollen.
"Das politische Ringen bis zum Klimagipfel in Kopenhagen in 150
Tagen wird nun maßgeblich darum gehen, ob kurz- und
mittelfristig die notwendigen Schritte beschlossen werden, um den
Klimawandel unter zwei Grad zu stabilisieren und die Menschen in
den besonders verletzlichen Staaten und Regionen zu
unterstützen, für die auch ein Temperaturanstieg um zwei
Grad Lebens- und Ernährungsbedingungen gefährdet",
kommentiert Bals.
Es war absehbar, dass ohne ernsthaften Klimaschutz - die
Schwellenländer erwarten von den Industrieländern minus
40 Prozent bis 2020 - und ohne Bereitschaft der
Industrieländer zu Finanzzusagen die Schwellenländer
nicht bereit sind, mit zu unterschreiben, dass die globalen
Emissionen vor 2020 ihren Höhepunkt erreichen sollen und die
Emissionen in den Schwellenländern deutlich langsamer steigen
sollen als bislang erwartet. "No money, no deal", hat die
dänische Präsidentschaft des kommenden Kopenhagen-Gipfels
die Situation kürzlich zusammengefasst.
Der G8-Gipfel hat alles versäumt, was zur Vertrauensbildung
hätte beitragen können, dass in Kopenhagen
tatsächlich die notwendigen Finanzzusagen auf dem Tisch
liegen. 2 Milliarden US-Dollar Soforthilfe für Anpassung
wären das notwendige Signal gewesen, damit in Kopenhagen
tatsächlich über neue Größenordnungen der
klimapolitischen Zusammenarbeit Beschlüsse zustande kommen.
Die EU und die USA wären lediglich bereit gewesen, jetzt ein
Unterstützungspaket von 400 Millionen US-Dollar zu
schnüren. Aber die anderen Industrieländer verweigerten
sogar diesen kleinen Schritt.
"Es gibt auf diesem G8-Gipfel einen großen Fortschritt bei
der Einsicht in die wissenschaftlichen Notwendigkeiten. Aber die
Bereitschaft, jetzt die entsprechenden Ziele für 2020,
Instrumente und Finanzzusagen zu beschließen, fehlt noch. Es
bleiben noch wenige Wochen, damit auch diese auf dem Tisch liegen
und die Regierungen in Kopenhagen nicht unter der selbst
aufgelegten Messlatte durchspringen", kommentiert Klaus
Milke.
Gletscherschmelze endlich stoppen
Weltklimarat fordert radikale Verminderung des
Dieselruß-Ausstoßes
NABU Pressemitteilung, Berlin, 3. Juli 2009
Vor dem beschleunigten Abschmelzen der Gletscher im Himalaya nach
dem Niedergang von Rußpartikeln hat der Klimawissenschaftler
Dr. Veerabhadran Ramanathan von der University of California in San
Diego heute in Berlin gewarnt. Die im Eis gebundenen Wassermassen
würden verheerende Überflutungen in den Gebieten entlang
der aus dem Himalaya gespeisten Flüsse Indus und Ganges
verursachen und die Folgen des Klimawandels in einem Land wie
Bangladesch im Mündungsdelta von Yamuna, Ghaghara und
Brahmaputra extrem verschlimmern, sagte Ramanathan auf einer
Pressekonferenz des Bündnisses „Rußfrei fürs
Klima“ aus vier deutschen Umwelt- und Verkehrsverbänden.
„Der dramatische Verlust an Gletschermassen in den
Hochgebirgsregionen wie dem Himalaya erfordert eine radikale
Verminderung der Dieselrußemissionen“, sagte
Veerabhadran Ramanathan. „Dennoch muss der Schwerpunkt auf
der Minderung der CO2-Emissionen bleiben.“
Der Ruß von Herdfeuern, abgebrannten Feldern und aus
Dieselmotoren hat einen wesentlichen Anteil an der schnellen
Gletscherschmelze. Die Rußpartikel treiben aus den
Städten bis ins Hochgebirge, gehen auf den Gletschern nieder
und verstärken als schwarzer Feinstaub die Absorption der
Sonnenstrahlen auf dem Eis. Wenn die Gletscher im Himalaya
abgeschmolzen sind, kommt nach der Flut die Dürre und die
Monsunregenzeit verschiebt sich. Veerabhadran Ramanathan ist
Mitglied des Weltklimarats IPCC, der 2007 den Friedensnobelpreis
erhalten hat.
Der Klimawandel bedroht in Bangladesch auch die Küsten.
Klimawissenschaftler rechnen damit, dass Bangladesch bis zu einem
Drittel seiner Landmasse verlieren kann, da der Meeresspiegel in
den kommenden Jahrzehnten bis zu einem Meter ansteigen kann.
„Naturkatastrophen haben in den letzten Jahren Schäden
angerichtet, die sich bis zu 100 Kilometer ins Landesinnere
auswirken. Nicht auszudenken, was geschehen wird, wenn diese
Unwetter sich mit einem Anstieg des Meeresspiegels koppeln“,
sagte Professor Dr. M. Qumrul Hassan von der Universität
Dhaka, Bangladesch. Bangladesch sei besonders verwundbar durch den
Klimawandel, da es eines der ärmsten Länder der Welt
sei.
Die durch die abgelagerten Rußpartikel nun schneller
abschmelzenden Gletscher verschärfen die verzweifelte Lage von
Millionen Menschen. Verantwortlich für die Gletscherschmelze
im Hochgebirge sind auch die Dieselrußemissionen aus dem
Auto- und Nutzfahrzeugeverkehr in Europa. Die Partikel aus
unvollständig verbranntem Dieselkraftstoff werden von den
Luftströmungen insbesondere in die Arktis und auf die
Gletscher der Hochgebirge getragen, gehen dort auf den Schnee- und
Eismassen nieder und verhindern die natürliche Abstrahlung der
Sonnenstrahlen von den eigentlich weißen Eismassen. Der
Ruß schwärzt die Gletscher in der Arktis und im Gebirge
wie Himalaya und Alpen ein und verändert die Reflexion der
Sonnenstrahlen (sogenannter Albedo-Effekt).
Dr. Axel Friedrich, internationaler Verkehrsberater, forderte
Deutschland auf, mit gutem Beispiel bei der Reduzierung von
Dieselrußemissionen voranzugehen. „Wir geben das Modell
für die Entwicklungsländer ab. Wir müssen deshalb
die technische Entwicklung vorantreiben und diesen Ländern bei
der Umsetzung in die nationale Politik helfen“, sagte
Friedrich.
Über die Folgen, die Rußemissionen auf die
natürlichen Lebensräume von Mensch und Natur haben,
müsse endlich deutlich gesprochen werden. „Die
Eisschmelze führt dazu, dass vielen Menschen an den
Küsten oder entlang von Flüssen das Wasser
buchstäblich bis zum Hals steht, während gleichzeitig an
anderer Stelle die Trinkwasserversorgung versiegt. Wenn wir nicht
schnell handeln, werden die weltweiten Auswirkungen verheerend
sein, nur weil wir es in den Industrienationen nicht geschafft
haben, den Ruß zu stoppen“, so NABU-Projektreferentin
im Verkehrsreferat Lucienne Damm. Dabei sei ein Ziel der
Pressekonferenz, Bewusstsein zu schaffen und konkrete Klimaeffekte
der Rußemissionen bekannt zu machen.
Dr. Werner Reh, Leiter Verkehrspolitik des BUND, warnte vor den
Auswirkungen des Klimawandel auf die biologische Vielfalt. Diese
würden bisher überhaupt nicht wahrgenommen. Bei uns seien
z.B. die Alpen ein „hot spot“ der Artenvielfalt und die
floristisch reichhaltigste Region Mitteleuropas. Die Alpen seien
aber am stärksten vom Klimawandel betroffen und müssten
in höheren Regionen mit einem Temperaturanstieg von fünf
Grad Celsius rechnen. Die Kampagne gebe „die richtige Antwort
auf die klimapolitische Herausforderung in dem sie technische
Maßnahmen zur Rußminderung in Deutschland und Europa
beschleunigt und gleichzeitig in Großstädten
umweltverträgliche Verkehrslösungen vorantreibt, die
Ruß und CO2 mindern“, sagte Reh. „Die Anpassung
an den Klimawandel wird nicht nur in Ländern wie Bangladesch
an Grenzen stoßen. Daher ist die Vermeidung der Ursachen umso
wichtiger“, ergänzte Dorothee Saar, Koordinatorin der
Kampagne bei der Deutschen Umwelthilfe.
9. Juli, 2009
Protest von Umweltschützern am Mount Rushmore
Sioux Falls/USA (AP) Mit einer spektakulären Aktion an
den in Stein verewigten Präsidentenköpfen von Mount
Rushmore haben Umweltschützer von US-Präsident Barack
Obama Führungsstärke im Kampf gegen den Klimawandelt
gefordert. Mehrere Aktivisten von Greenpeace erklommen nach Angaben
der Umweltschutzorganisation das Monument im US-Staat South Dakota
und enthüllten an der Seite des Kopfes von Abraham Lincoln ein
riesiges Transparent mit der Aufschrift: «Amerika respektiert
Führer, nicht Politiker: Stoppt die Erderwärmung».
Auf dem Transparent war das Gesicht Obamas zu sehen.
Nach etwa einer Stunde wurde das Transparent wieder entfernt. Die
Polizei nahm elf an der Aktion beteiligte Greenpeace-Aktivisten
fest. Der Mount Rushmore ist schon mehrfach Schauplatz von
Protestaktionen verschiedener Gruppen gewesen. Das Monument zeigt
die Porträts der Präsidenten George Washington, Thomas
Jefferson, Theodore Roosevelt und Lincoln.
Greenpeace wünscht Wüstenstrom als G8-Projekt
Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 7.7.09
In einem Offenen Brief hat Greenpeace Bundeskanzlerin Angela Merkel
heute nahegelegt, Wüstenstrom zum G8-Thema zu machen.
Angesichts des dramatischen Tempos der Klimaveränderung
müsse es Ziel der Politik sein, "die globale Debatte um den
weltweiten Klimaschutz mit neuen Ideen zu beleben".
Nach Ansicht von Greenpeace ist das Wüstenstrom-Konzept eine
der klügsten Antworten auf die globale Wirtschafts- und
Klimakrise. Einer Greenpeace-Studie zufolge könnten
solarthermische Kraftwerke umweltfreundlich, preiswert und
zuverlässig bis zu einem Viertel des weltweiten Strombedarfs
decken.
Dieser Ansatz sei ein weltumspannendes Konzept, das in nahezu allen
G8-Staaten von Bedeutung sein könne, heißt es in dem
Brief. "Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft, sie
verheißen mehr Innovationen, mehr Klimaschutz, mehr
Wertschöpfung und mehr Arbeitsplätze. Dazu gehören
solarthermische Kraftwerke in Wüstenregionen genauso wie die
dezentralen Technologien. Nun ist die Chance, diese Entwicklung
entscheidend zu befördern."
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