Rinder-Moratorium in Brasilien
Greenpeace-Erfolg zum Schutz des Amazonas
Brasilianische Rinderindustrie stimmt Moratorium zum
Schutz des Regenwaldes zu
Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 5.10.09
Die vier größten brasilianischen Rinderunternehmen gaben
gestern in Sao Paulo bekannt, ab sofort keine Rinder mehr aus neu
gerodeten Urwaldgebieten zu beziehen. Diesem Erfolg war eine
weltweite Greenpeace-Kampagne zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes
vorangegangen. Fleisch- und Lederabnehmer wie Adidas, Nike, und
Walmart sahen sich dadurch veranlasst, die brasilianische
Rinderindustrie zu wirksamen Maßnahmen zum Urwaldschutz zu
bewegen. Die Rinderzucht gilt als größter
Urwaldvernichter im Amazonasgebiet. 80 Prozent der abgeholzten
Waldflächen werden als Weideland genutzt. Auch Klaus Meine,
Sänger der Rockband Scorpions, die sich seit Jahren gemeinsam
mit Greenpeace für den Erhalt des brasilianischen Regenwaldes
einsetzen, begrüßt den neuen Erfolg zum Schutz des
Regenwaldes.
"Die Unterzeichnung dieses Moratoriums ist ein
außerordentlicher Erfolg in unserem Kampf gegen die
Urwaldzerstörung", sagt Tobias Riedl, Waldexperte von
Greenpeace. "Das Abholzen und die Brandrodung des Regenwaldes ist
ein Verbrechen, dem endlich ein Ende bereitet werden muss.
Greenpeace wird die wirksame Umsetzung dieser angekündigten
Maßnahmen wachsam verfolgen." Nach dreijähriger
Recherche veröffentlichte Greenpeace im Juni 2009 einen
Report, der die Zusammenhänge zwischen Rinderzucht und
Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes detailliert aufzeigt. Rund
63 Millionen Rinder werden derzeit auf gerodeten Urwaldgebieten
gehalten.
Die Rinder-Konzerne JBS-Friboi, Bertin, Marfrig und Minerva
unterzeichneten gestern ein Moratorium auf die weitere Umwandlung
von Wald in Weideland. Die Rinderverarbeiter verpflichten sich
damit, nur noch Farmen als Lieferanten zu akzeptieren, die nicht
länger den Urwald zerstören. Für eine entsprechende
Überwachung müssen sich die Rinderfarmer mit ihren
Satellitennavigations-Daten registrieren.
"Von den dramatischen Zuständen in Amazonien konnte ich mir
letztes Jahr selbst ein Bild machen", sagt Klaus Meine.
Während ihrer Brasilientournee 2008 flogen die Scorpions
zusammen mit Greenpeace über brennenden Regenwald. Bei ihren
Konzerten riefen die Musiker zum Urwaldschutz auf. "Der heutige
Erfolg gibt mir die Hoffnung, dass wir diese einzigartigen
Naturparadiese noch nicht verloren haben", sagt Meine weiter.
Die Urwälder Amazoniens sind unentbehrlich für das
weltweite Klima. Wissenschaftler schätzen, dass sie 80 bis 120
Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern. Durch Abholzung und
Brandrodung werden die gespeicherten Treibhausgase freigesetzt. Bis
Juli 2008 wurden bereits 74 Millionen Hektar des
Amazonas-Regenwaldes vernichtet. Dies entspricht der doppelten
Fläche Deutschlands.