Sklaven holzen Amazonas-Regenwald ab
Amazonas: Sklaven holzen den Regenwald ab
Von Thomas Kaes, Brasilien-Nachrichten, Mediaquell, 22.
August 2009
Die Internationale Organisation für Arbeit
(Organização Internacional do Trabalho - OIT), ein
Sonderorganisation der UNO, stellte gestern eine Studie vor, aus
der hervorgeht, dass es in Brasilien immer noch Sklaverei gibt,
besonders in Rohdungsgebieten der Amazonasregion. Es gäbe dort
auch Indizien für rohe Gewalt und bewaffnete
Auseinandersetzungen um das Land.
Trotz der Bemühungen der brasilianischen Regierung in den
letzten Jahren, gäbe es immer noch Sklavenarbeiter, die den
Regenwald abholzen, das Land für die Viehzucht
präparieren und Ackerbau betreiben müssen.
Die Analyse ist Teil des Buches „Forced Labor: Coercion and
Exploitation in the Private Economy“ (Zwangsarbeit: Zwang und
Ausbeutung in der Privatwirtschaft), welches morgen von der OIT
veröffentlicht wird, am internationalen Tag zur Erinnerung an
den Sklavenhandel und seine Abschaffung. In der Nacht zum 23.
August 1791 begann die Sklavenrevolte in Santo Domingo,
Dominikanische Republik, die eine entscheidende Rolle bei der
Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels spielte.
In dem Buch wird eine Serie von Studien über Formen der
Sklaverei in der Moderne, aus Lateinamerika, Asien, Afrika und
Europa veröffentlicht. Die Situation in Brasilien wird in
einem eigenen Kapitel, auf 15 Seiten dargestellt.
Für die Studie analysierte die OIT die statistischen Daten der
brasilianischen Bundesregierung und die der Kommision der Seelsorge
der Erde (Comissão Pastoral da Terra - CPT), einem Organ der
nationalen Bischofskonferenz in Brasilien.
Daraus ergab sich, dass im Süden und Südosten des
Bundestaates Pará, zwischen 2000 und 2004, fast die
Hälfte aller Polizeieinsätze, zur Befreiung von
Sklavenarbeitern, stattfanden. Im gleichen Zeitraum war diese
Region für 38,5 % aller Rodungen in Brasilien verantwortlich
und es wurden 44,12 % aller Verbrechen, im Zusammenhang mit
Landstreitigkeiten, registriert.
Die Daten ergaben ebenfalls, dass Sklavenarbeit eingesetzt wird, um
die Agrarproduktion zu erhöhen und die Rodungsgebiete zu
kultuvieren, um Rinderzucht zu betreiben.
Roger Plant, Präsident des Programms gegen Zwangsarbeit der
OIT, erläuterte, dass die landwirtschaftlichen Betriebe, die
Sklaven benutzen, exakt in einem Streifen lokalisierbar sind, wo
grosse Lichtungen angelegt wurden. Sie erstrecken sich von dern
Bundesstaaten Rondônia bis Maranhão.
Die Verbindung von Sklavenarbeit und Abholzungen wären klar
aus der Studie ersichtlich, sagte Plant.
Die Organisation erwähnt auch eine Studie, die 2003 von der
Weltbank herausgegebenen wurde (Gründe für die Abholzung
im brasilianischen Amazonas), die belegt, dass die Expansion der
Viehwirtschaft zu 75 % verantwortlich für die gesamten
Abholzungen sind.
Um die Produktivität zu erhöhen, werden die Rodungen
durch preiswerte Arbeiter und oft durch Sklavenarbeiter
ausgeführt, die das Land vorbereiten, um rentable
Investitionen zu etablieren, erläuterte Leonardo Sakamoto,
Autor des Kapitels über die Situation in Brasilien.
Nach Erkenntnissen der OIT, ist die weitverbreiteste Methode, die
Arbeiter zur Sklavenarbeit heranzuziehen, Einschüchterung
durch Schulden. Diese Methode wird nicht nur in Brasilien
angewandt, sondern auch in vielen anderen Ländern.
In den meisten Fällen werden die Opfer in Armutsgegenden
rekrutiert, im Nordosten und Norden Brasiliens, durch sogenannte
„gatos“ (Kater), die für die Besitzer der
Ländereien arbeiten und die Kandidaten mit leeren
Versprechungen anheuern. Meistens wird versprochen die
Transportkosten zu bezahlen und es wird ein Vorschuss auf den Lohn
bezahlt.
Die Arbeiter gerieten so in eine Schuldenfalle, aus der sie nicht
mehr herauskämen, erklärte Plant.
Nach den Daten der OIT kommen die meisten Arbeiter aus den
Bundesstaaten Tocantins, Maranhão, Pará, Bahia und
Piauí , alles arme Regionen, mit hoher Arbeitslosigkeit und
niedrigem Index sozialer Entwicklung, die diese Personen extrem
anfällig machen, erläuterte der Direktor des Programms
gegen Sklavenarbeit der OIT.
Roger Plant bestätigte, dass Brasilien im Kampf gegen die
Sklaverei gut vorankommt, speziell mit der Initiative der Regierung
Lula, „Nationaler Plan zur Ausrottung der Sklaverei“,
der 2003 ins Leben gerufen wurde. Aber Brasilien müsse noch
einige Herausforderungen überwinden, unter ihnen die
Verzögerungen zwischen den Aktionen der Bundesregierung und
der Umsetzung durch die Justiz, führte er weiter aus.
Ausserdem stellte das OIT die Straflosigkeit an den Pranger, eins
der grössten Hindernisse im Kampf gegen die modernen Formen
der Sklaverei.
Die Studie zitiert den Artikel 149, des brasilianischen
Strafgesetzbuches, der für Verbrechen in diesem Zusammenhang
zwar Strafen von 2 bis 8 Jahren Haft vorsähe, jedoch
würden die Kriminellen zu selten zur Verantwortung
gezogen.
Im September will die Internationale Organisation der Arbeit, eine
umfassende Studie über Zwangsarbeit in Brasilien
veröffentlichen.
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