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Infrastrukturprojekte in Amazonien

Veröffentlicht: Do, 22.10.2009
Von Uta Grunert, Kooperation Brasilien, Oktober 2009
 
Die zweite Amtszeit der Regierung Lula ist geprägt von den Zauberwörtern PAC (Programm zur Beschleunigung des Wachstums) und IIRSA (Initiative zur Integration der regionalen südamerikanischen Infrastruktur), die besonders Amazonien Wirtschaftswachstum und länderübergreifende Vernetzung in den
Bereichen Transport, Energie und Kommunikation verheißen sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei die (geplanten) Wasserkraftwerke an den großen Amazonaszuflüssen Xingu (Belo Monte) und Madeira (Jirau und Santo Antônio), sowie Fernstraßenausbauten der BR 319 (von Porto Velho nach Manaus), BR 364 (Acre) und BR 163 (von Cuiabá nach Santarém). Die Staudämme sollen unter anderem den Strom für die energieintensive Aluminiumindustrie Amazoniens liefern, während der Straßenausbau vor allem den Soja- und Rindfleischexport vereinfachen soll. Die vorgesehenen Investitionen belaufen sich landesweit auf 200 Mrd. Euro, von denen bislang zehn Prozent umgesetzt wurden.
Fernstraßen, Kanäle und Wasserkraftwerke lassen die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen Amazoniens in bisher ungekanntem Maß zu. Die angestrebte Anbindung an internationale Märkte ermöglicht es den Konsumriesen USA, Europa, China und Japan, sich billig mit Rohstoffen, Energie und Nahrung aus dem Amazonasraum zu versorgen. Das heißt, die Hauptprofiteure sitzen im Ausland.
In der Realität Amazoniens findet jedoch täglich die Entzauberung dieser politischen Programme statt, denn soziale und ökologische Folgen sind nicht berücksichtigt. Die lokale Bevölkerung trägt die Hauptlast der Vorhaben. Sie wird bei Staudammvorhaben und Rohstoffabbau nicht gefragt. Politische Anhörungen geraten zur Farce, es gibt keine echte Mitsprachemöglichkeit für Betroffene, die Ausrichtung der Infrastruktur folgt den Exportinteressen und keiner internen Integrationsstrategie.

Menschen werden ohne Entschädigung von ihrem Land vertrieben, indigene Gemeinschaften geraten durch die Überschwemmungen in Bedrängnis, andere verlieren durch das Austrocknen von Flüssen unterhalb der Stauseen ihre Lebensgrundlage. Erschließungsstraßen entstehen, Siedler folgen nach, Landfälscher und Holzfäller zerstören den Regenwald. Raubbau an der Natur wird ökonomischen Interessen untergeordnet. Die IIRSA wird in Brasilien Auswirkungen auf eine Fläche von 2,5 Mio. km² haben und Naturreservate, nachhaltig bewirtschaftete Zonen, bereits rechtlich zugesagte Gebiete indigener Völker und Biodiversitäts-Schutzgebiete vereinnahmen.

 

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