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Mata Atlântica

Veröffentlicht: Do, 15.10.2009
Oktober 2009
Armin Deitenbach, Registro – SP, Brasilien
 

Mata Atlântica oder Atlantischer Regenwald

 
Der Atlantische Regenwald oder Mata Atlântica bedeckte ursprünglich etwa 1.300.000 km2 oder etwa 15% Brasiliens. 17 Bundesstaaten waren ganz oder teilweise von ihr bedeckt: Piauí, Ceará, Rio Grande do Norte, Paraíba, Pernambuco, Alagoas, Sergipe, Bahia, Goiás, Espirito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul.
Heute sind nach Erhebungen des brasilianischen Umweltministeriums noch etwa 27% der ursprünglichen Vegetationsformen erhalten, davon sind 22% Waldformationen (Regenwälder, Laubabwerfende Wälder, Trockenwälder und etwa 5% andere Vegetationsformen wie z.B Mangroven oder hochgelegene Graslandschaften  -campos de altitude). Von gut erhaltenen Waldfragmenten ab 100 ha Größe gibt es allerdings nur noch etwa 7% (SOS Mata Atlântica – Atlas dos Remanescentes da Mata Atlântica ). Siehe hierzu auch den sehr interessanten Artikel von Milton Cezar Ribeiro: The Brazilian Atlantic Forest – How much is left and how the remaining forest is distributed? Implications for conservation. São Paulo 2009.
Die Abholzung der Mata Atlântica findet weiterhin statt – die neueste Erhebung von SOS Mata Atlântica und INPE ergab im Zeitraum von 2000 bis 2005 eine Entwaldung von 174.000 ha. Schwerpunkte der Entwaldung sind heute Santa Catarina, wo die Araukarien-Wälder weitgehend ausgerottet wurden und der Süden von Bahia. Gegenläufig hierzu ist in verschiedenen Gebieten der Mata Atlântica eine Tendenz zur Wiederbewaldung in von der Landwirtschaft aufgegebenen Flächen festzustellen, vor allem in Rio Grande do Sul, São Paulo und Espirito Santo. Hinzukommen Aktivitäten der Wiederherstellung von degradierten Flächen. Leider sind diese Tendenzen bisher nicht kartiert worden, so dass im Moment kein Vergleich zwischen Abholzung und Wiederbewaldung möglich ist.
Obwohl die Mata Atlântica heute als einer der am stärksten bedrohten tropischen Wälder eingestuft wird, zeigt sie immer noch eine extrem hohe Biodiversität und wird deshalb von der NRO Conservation International als einer der fünf wichtigsten Conservation Hotspots eingestuft.
Die Mehrzahl der brasilianischen Schutzgebiete befindet sich in der Mata Atlântica - Mitte 2008 waren es 330. Damit stehen heute etwa 84.591 km2 oder etwa 7,6% unter formellem Schutz. Davon sind allerdings nur 23.656 km2 oder 2,1 % Gebiete strengen Schutzes wie z.B. Nationalparks oder Ökologische Stationen. Weitere 5,5 % sind Schutzgebiete der nachhaltigen Nutzung, wobei die meisten von ihnen als „Áreas de Proteção Ambiental“ eher mit Landschaftsschutzgebieten vergleichbar sind und wenig reellen Schutz bieten.
Die Mata Atlântica ist für Brasilien besonders wichtig, da hier etwa 110 Millionen Menschen leben und etwa 70% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Besonders für die großen Hauptstädte wie São Paulo, Rio de Janeiro oder Salvador speichert die Mata Atlântica überlebenswichtige Trinkwasserreserven und trägt zur Reinhaltung der Luft bei.
Im Bereich der Mata Atlântica leben zahlreiche traditionelle Bevölkerungsgruppen, so z.B. Indigene Völker (Guaraní, Tupi, Kaingang, Tupiniquins, Pataxó, Kadiweu, Kaiowá u.a.), Quilombolas oder Nachfahren entlaufener Sklaven und Caiçaras (traditionelle Küstenbewohner). Diese Waldvölker haben sehr enge Beziehungen zu den Naturressourcen der Mata Atlântica (Medizinalpflanzen, Nahrung, Hausbau und Werkzeuge, Schmuck). Einige haben gut angepasste Nutzungssysteme entwickelt wie z.B. die Faxinais im Süden der Mata Atlântica (Paraná, Santa Catarina), wo Kleinbauern in Araukarienwäldern leben und in gemeinsamen Flächen Vieh züchten und Matetee ernten. Im nordöstlichen Bundesstaat Bahia wird die nachhaltige Waldwirtschaft mit dem Anbau des schattenliebenden Kakao verbunden in einem Cacau-Cabruca genannten Agroforstsystem.
Auf den Naturressourcen der Mata Atlântica basieren verschiedenen Wertschöpfungsketten, eine, bereits erwähnt, ist der Matetee. In der Mateteerzeugung sind mehr Menschen beschäftigt als in der Automobilindustrie Brasiliens. Andere sind die Palme Juçara, die sowohl die begehrten Palmenherzen als auch die Fruchtpulpe von Juçara hervorbringt, die vielerorts aus Vermarktungsgründen als Açaí verkauft wird1. Im Nordosten werden die begehrten Fasern der Piaçava-Palme gewonnen, aus denen Kunsthandwerk aber auch in industriellem Maßstab Besen gefertigt werden.
 


1    Fruchtpulpe aus der Amazonasplame Euterpe oleracea ist sehr gut am Markt eingeführt, während die Fruchtpulpe der Mata Atlântica Palme Juçara (Euterpe edulis) auf erhebliche Widerstände beim Verbraucher stößt– unter der Bezeichnung Acaí wird sie gekauft

 

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