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Simply REDD?

Veröffentlicht: Fr, 23.10.2009

Fallstricke und Sackgassen auf dem Weg zu verringerter Entwaldung

Von Wolfgang Kuhlmann, ARA
 
Zwanzig Prozent der weltweiten Treibhausgase stammen aus Entwaldung. Doch während sich fast alle einig sind, dass die Klimaschutzziele ohne eine deutliche Verringerung des Waldverlustes nicht zu erreichen sind, gibt es intensive Diskussionen über den richtigen Weg.
 
Mit dem Stichwort REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) wird diskutiert, ob und wie die Verringerung der Entwaldung zu einem Teil einer neuen Klimavereinbarung, dem Nachfolger des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls, werden soll. Bis zur nächsten Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen sollen dazu Vorschläge ausgearbeitet sein.
Das Konzept ist einfach: Indem man den tropischen Regenwäldern als Kohlenstoffspeicher einen wirtschaftlichen Wert zumisst, bietet man den Tropenwaldländern einen Anreiz zum Schutz der Regenwälder und verringert dadurch den auf jährlich 13 Millionen Hektar geschätzten Waldverlust und damit auch den Treibhauseffekt. Die Industriestaaten sollen so den wirtschaftlichen Verlust bei Verzicht auf Abholzung kompensieren.
 

Waldschutz messbar machen

 
Die Grundidee besteht darin, die durchschnittliche Entwaldung eines Referenzzeitraums zu berechnen und als „Baseline“ zu definieren. Senken Staaten ihre Entwaldungsrate unter diesen Wert, erhalten sie finanzielle Mittel, deren Höhe noch zu bestimmen ist.
Voraussetzung dafür ist ein verlässliches Kontrollsystem. Satellitendaten liefern mittlerweile gute Ergebnisse bei der Überprüfung der Waldfläche, die Degradierung von Wäldern lässt sich so allerdings nicht messen. Auch über den im Boden gespeicherten Kohlenstoff gibt diese Methode keinen Aufschluss. Er kann bestenfalls geschätzt werden.
Um zu gewährleisten, dass die Entwaldung verringert und nicht nur verlagert wird, müssen Messungen großflächig durchgeführt werden. Regionale Projekte führen möglicherweise nur dazu, dass Holzfäller in weniger gut kontrollierte Gebiete ausweichen.
 

Wer soll das bezahlen?

 
Besonders kontrovers wird diskutiert, wo das Geld für REDD herkommen soll. Einige Länder und internationale Organisationen wie die Weltbank bevorzugen einen marktbasierten Mechanismus, also den freien Handel mit CO2-Minderungszertifikaten aus verringerter Entwaldung.
Mit dem Kauf von REDD-Zertifikaten im Rahmen des internationalen Emissionshandels könnten Staaten und Industrie das Recht erwerben, den eigenen Ausstoß von Klimagasen nicht verringern zu müssen. So würde ein Schlupfloch für jene entstehen, die mit kostengünstigen Investitionen in Waldschutz die Weiterverwendung veralteter, aber gewinnträchtiger Technologien rechtfertigen wollen.
Die meisten Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordern deshalb, Wälder aus dem Emissionshandel herauszuhalten. Zudem ist der Emissionshandel keine verlässliche Quelle für die Finanzierung von Waldschutz. Die dafür notwendigen Maßnahmen müssen langfristig geplant und unterstützt werden. Der Kohlenstoffmarkt dagegen unterliegt starken Schwankungen. Wenn kurzfristig billige Waldzertifikate in direkter Konkurrenz zu anderen Kohlenstoffzertifikaten stehen, droht die Gefahr einer Destabilisierung des Marktes. Mit einem Verfall des Kohlenstoffpreises würde auch der Anreiz sinken, in erneuerbare Energien und saubere Technologien zu investieren.
Eine Alternative sind Marktmechanismen, die Waldzertifikate von anderen Zertifikaten trennen, oder Fonds, in die z.B. Abgaben aus Treibhausgasemissionen oder die Erlöse aus der Versteigerung von Emissionsrechten eingezahlt werden. Sie können auch genutzt werden, um schnelle und kosteneffektive Maßnahmen zum Schutz der Wälder zu finanzieren, wie die Beendigung der kommerziellen Holznutzung in Primärwäldern und die Sicherung von Landrechten indigener und lokaler Gemeinschaften, die in und von Wäldern leben.
Ein weiterer Vorteil eines Fonds ist die Möglichkeit, auch Länder mit einer geringen Entwaldungsrate in das Programm einzubeziehen. Ein Marktmechanismus würde sich dagegen zwangsläufig auf die Länder mit dem höchsten Waldverlust konzentrieren. Allein auf die vier „Spitzenreiter“ (Indonesien, Brasilien, Malaysia und Myanmar) würden bereits zwei Drittel aller REDD-Zertifikate entfallen.
 

Wald ist mehr als Kohlenstoff

 
Sollte REDD zu einem Teil des Kyoto-Folgeabkommens werden, besteht die Gefahr, dass Wälder auf ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher reduziert werden, ohne ihre biologische Vielfalt oder Bedeutung für traditionelle Nutzungssysteme zu berücksichtigen. Deshalb muss in den kommenden Monaten sichergestellt werden, dass die ökologischen und sozialen Funktionen von Wäldern nicht den Klimaschutzaspekten untergeordnet werden: Die Umwandlung von Naturwäldern in Palmöl- oder Eukalyptusplantagen muss ebenso ausgeschlossen werden, wie die Verdrängung lokaler Bevölkerung von  Land durch großflächige Aufforstungsprojekte.
REDD kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den fortschreitenden Waldverlust zu verringern. Erfolg versprechend wird der Mechanismus aber nur, wenn es gelingt, eine Verringerung von Treibhausgasemissionen mit dem Schutz der biologischen Vielfalt und einer umfassenden Beteiligung der lokalen Bevölkerung zu verbinden.

 

Quelle: umwelt aktuell (5/2009)
Kürzung: Micha Schwab

Weitere Informationen zu REDD finden sich im aktuellen Rundbrief des Forum Umwelt und Entwicklung (1/09)

 

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