Wasser marsch in Brasilien! „Todesprojekt Belo Monte“ ist genehmigt
Veröffentlicht: Mo, 22.03.2010
© Terence TurnerWeltweit formiert sich Widerstand gegen das Staudammprojekt am Rio Xingú und trotzdem rückt die brasilianische Regierung von ihrem umweltzerstörerischen Plan nicht ab.
Seit mehreren Jahren plante Brasilien bereits die Wiederaufnahme des Staudammprojekts „Belo Monte“ am Xingú-Fluss. Am 1. Februar hat Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nun die Erlaubnis gegeben, dieses gigantische Staudammprojekt zu bauen, für das schon seit über 30 Jahren Pläne in der Schublade liegen. Massive Proteste haben die brasilianischen Entscheidungsträger bisher immer wieder davon abbringen können, mit dem Bau zu beginnen.
Internationale Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben nun erneut Alarm geschlagen und sind empört, dass die brasilianische Regierung nicht von diesem für die Umwelt verheerenden Projekt Abstand nimmt: Infolge des Wasserrückstaus werden über 500 km² Land überflutet; landwirtschaftliche Anbauflächen und vor allem kostbarer Amazonasregenwald. Dieser wird direkt vernichtet durch das Wasser des Stausees und indirekt durch die vertriebenen Bauern, die woanders neues Ackerland anlegen werden und dafür Wald roden müssen.
Darüber hinaus zerstört der Damm auch noch die Lebensgrundlage vieler kleiner indigener und traditioneller Gemeinschaften, die vom Wald und vom Fluss leben. Unterhalb des Staudamms wird nicht mehr genug Wasser für die Fische sein. Und oberhalb des Damms verschwindet mit dem Regenwald auch der Lebensraum der Indigenen.
Ein trauriger Ausblick. Denn wie es für die Juruna, Kayapó und andere Indianervölker weitergehen soll, ist weitgehend unbekannt. Sie selbst hatten bei den Planungen kein Mitspracherecht, wurden nicht öffentlich angehört und auch sonst so gut wie gar nicht in die Pläne eingeweiht. Ihre Zukunft ist ungewiss. Und hinzu kommt noch, dass Brasilien bei vergleichbaren Projekten in der Vergangenheit seine Versprechen nicht eingehalten hat. Bei den letzten Staudammprojekten haben von 100 umgesiedelten Familien 70 keine Entschädigung bekommen. Es hat sich in der Folge sogar eine „Bewegung der von Staudämmen Betroffenen“ gegründet.
Offiziell soll der Belo Monte-Damm die Energiesituation der Menschen in der Region verbessern, was durchaus wünschenswert wäre, angesichts der enormen Leistungsstärke des Kraftwerks aber unverhältnismäßig wirkt. Wer sich auskennt weiß daher, dass der produzierte Strom in erster Linie energieintensiven Industrien zu Gute kommen wird. So war es auch schon beim letzten Projekt, dem Tucuruí Kraftwerk. Dieser Staudamm wurde 1984 gebaut, die Anlieger in unmittelbarer Nachbarschaft aber erst über 20 Jahre später ans Netz angeschlossen.
Dass der Belo Monte Staudamm ein weiteres Prestigeobjekt des Präsidenten ist, vermuten viele Gegner. Wieder einmal wolle sich Brasilien der Welt als grüner Energieriese präsentieren, sagen sie. Über 50 % der brasilianischen Energie kommt aus erneuerbaren Quellen. Hierzu zählt die Regierung auch den Strom aus Staudammkraftwerken. Welch große Zerstörung ein jeder Stausee aber anrichtet, scheint die Regierung nicht zu sehen; oder nicht sehen zu wollen.
Vor 10 Jahren noch wurden die Pläne für den Belo Monte Staudamm aufgrund internationalen Drucks zurückgestellt. Heute scheint die Welt mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Und die vielen kleinen Stimmen aus dem eigenen Land weiß die brasilianische Regierung zu überhören. Der Weg ist frei…
Umweltorganisationen kündigen zwar weitere Proteste an, ob sie damit erfolgreich sein werden steht aber in Frage. So teilte Brasiliens Energieminister Edison Lobao am 4. Februar mit, dass es keinen Weg mehr zurück gebe. Ob die finanziellen Interessen damit über die Umwelt siegen werden? Der Bau des Staudamms hat ein Volumen von ca. 12 Milliarden Euro, das es unter den Firmen aufzuteilen gilt.
Damit dies aber nicht doch schon das letzte Wort ist, formieren sich immer mehr internationale Organisationen zu einer Front gegen das Belo Monte-Projekt. So gibt es mittlerweile eine online-Unterschriftenaktion der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (http://www.gfbv.de/unterschrlis.php?id=14&stayInsideTree=1#), die zudem mit über 130 NGO’s einen Protestbrief an Brasiliens Präsidenten da Silva (http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=1847) geschickt hat, um den indigenen und traditionellen Gemeinschaften vor Ort am Rio Xingú bei ihrem Widerstand zu helfen. Ihre Zukunft steht auf dem Spiel. Und auch das sensible Ökosystem des Amazonasregenwaldes. Der Belo Monte-Staudamm ist ein sinnloses und Unheil bringendes Projekt, das gestoppt werden muss!
Daniel Doerk, Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.
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