Yanomami gegen Bergbau

Veröffentlicht: Mo, 05.10.2009
Themen:

Yanomami gegen Bergbau

Gold- und Uranrausch bedrohen Ureinwohner im
brasilianischen Roraima
Davi Kopenawa Yanomami kämpft für die Rechte der
Indigenen

Márcia Gomes de Oliveira und Norbert Suchanek, Neues
Deutschland, 5.10.09

Ende der 1980er Jahre hatten Tausende von Goldgräbern das
Territorium der Yanomami im brasilianischen Bundesstaat Roraima
heimgesucht, dabei Böden und Gewässer vergiftet. Erst
dank weltweiter Proteste erkannte die Regierung Brasiliens 1992
einen Großteil des Yanomami-Landes als zu schützendes
Indianerterritorium an. Mit dem Vorkämpfer der Yanonami, dem
Schamanen Davi Kopenawa Yanomami, sprachen Márcia Gomes de
Oliveira und Norbert Suchanek.

ND: Was halten Sie vom geplanten Gesetz, das die
Rohstoffausbeutung auch in Indianergebieten erlauben
soll?

Kopenawa Yanomami: Ich bin dagegen! Die »Weißen«
suchen den Reichtum unserer Erde. Deshalb bin ich hier in der
Hauptstadt Roraimas, Boa Vista, um den Bergbau in indigenen
Gebieten, in den markierten Indianerterritorien zu verhindern. Der
Bergbau ist eine große Maschinerie, die den Boden, die
Flussauen, den Regenwald, den Fisch zerstört und Krankheit in
unser Land bringt.

In Ihrem Territorium liegen besonders große Vorkommen an
Uran. Wurden Sie über Risiken des Uranbergbaus
informiert?

Nein, bisher hat noch keiner mit uns über das Uran gesprochen.
Und das Wort »Radioaktivität« habe ich noch
niemals gehört. Kein Wissenschaftler, niemand von der
Regierung hat bisher etwas dazu gesagt.

Sind auch andere Yanomami gegen die Bergbauprojekte?

Das ganze Volk der Yanomami ist gegen den Bergbau. Alle, alle
Yanomami, die hier in unseren Dörfern leben, haben Angst
davor, und sind bereit, sich zu widersetzen, damit große
Minen nicht innerhalb unseres Territoriums entstehen.

Gibt es bei anderen indigenen Völkern Fürsprecher des
Bergbaus?

Wir Yanomami, die Sanumá, Tekuana und die Xamatari von
Brasilien sind gegen die Ausbeutung der Bodenschätze in
unserem Territorium. Wir wollen nicht, dass der Bergbau ins Herz
unserer Erde vordringt. Andere indigene Führer, die Geld
mögen, wollen die Bodenschätze ausbeuten.

Wohl auch deshalb, weil sie niemals über die Folgen des
Bergbaus, vor allem des radioaktiven Uranbergbaus für die
Umwelt und die lokale Bevölkerung informiert wurden.

Selbst die »Weißen« hier wissen nichts
darüber. Sie haben noch nie in den großen Minen
gearbeitet. Erzabbau bringt keine Wohltaten für das Volk,
für niemandem, bringt nur Krankheit, Gewalt und
Probleme.

Wer steckt konkret hinter diesem Gesetzesvorhaben?

Für den Bergbau sind die Abgeordneten in Brasilia und die
Senatoren Romero Jucá Filho und José Sarney, der
einst Präsident von Brasilien war. Diese Gruppe kämpft
darum, dass der Bergbau im anerkannten Territorium der Yanomami und
in den anderen Indianergebieten Einzug hält. Romero
Jucá war früher Präsident der FUNAI (der
staatlichen Organisation zum Schutz der indigenen Bevölkerung
– d. Red.) und hatte uns indigene Völker
unterstützen sollen.

Und wie war das in seiner Zeit als Gouverneur von
Roraima?

Romero Jucá Filho war es, der die Goldgräber damals in
das Territorium der Yanomami drängte. Schon 1986, als er noch
Präsident der FUNAI war, ließ er Goldsucher in mein
Land. Es war er, der das Volk der Yanomami ermordete. Bis heute hat
sich nichts geändert. Er kämpft weiter gegen uns, redet
weiter, um den Bergbau in Indianergebieten zu erlauben. Er sagt:
»Lasst uns die Bodenschätze herausholen, bevor die
Amerikaner kommen!«

Wir werden weiter kämpfen und Krach machen. Ich werde nicht
still halten. Die »Weißen« denken, sie seien die
Herren der Erde. Sie denken, dass sie es waren, die das Wasser auf
die Erde gaben. Sie denken, dass sie das Wasser geschaffen
hätten. Sie haben es aber nicht geschaffen.